Trauer Jenga
- Franziska Kern
- 13. März
- 2 Min. Lesezeit
Eine einfache Methode für Gespräche in der Trauerbegleitung
In der Trauer fehlen manchmal die Worte.
Gerade in Gruppen oder in der Begleitung, kann es schwer sein, ein Gespräch zu beginnen. Viele Gedanken sind da, aber sie fühlen sich zu gross oder zu schwer an, um sie einfach auszusprechen.
Manchmal kann da ein kleines Spiel helfen.
Beim letzten Sternensofa haben wir Trauer-Jenga ausprobiert – eine einfache Methode, die überraschend viel Raum für Gespräche öffnen und die Stimmung auflockern kann.
Wie funktioniert Trauer-Jenga?
Das Prinzip ist schnell erklärt: Ein klassischer Jenga-Turm wird aufgebaut. Auf jedem Holzstein steht eine kurze Frage oder ein Impuls.
Die Teilnehmenden ziehen nacheinander einen Stein aus dem Turm. Wer möchte, beantwortet die Frage auf dem Stein oder teilt einen Gedanken dazu. Vielleicht möchte auch jemand anders in der Runde etwas dazu sagen.
Manchmal entstehen daraus Gespräche. Manchmal bleibt es bei einem kurzen Satz. Und manchmal darf die Frage einfach nur im Raum stehen bleiben.
Alles ist erlaubt.
Warum Jenga?
Das Spiel trägt eine schöne Symbolik in sich.
Mit jedem Stein, den wir herausziehen, wird der Turm etwas instabiler. Er beginnt zu wackeln. Manchmal fällt er sogar zusammen.
Viele Trauernde kennen dieses Gefühl nur zu gut: Wenn ein geliebter Mensch plötzlich stirbt, gerät das eigene Leben ins Wanken. Das, was vorher stabil schien, fühlt sich plötzlich fragil an.
Und doch bleibt der Turm oft länger stehen, als man erwartet.
So wie wir.
Fragen, die Türen öffnen
Auf den Steinen können ganz unterschiedliche Fragen stehen, zum Beispiel:
Was vermisst du heute besonders an deinem geliebten Menschen?
Gibt es eine Erinnerung, die dir gerade Kraft gibt?
Was hilft dir durch schwere Tage?
Wann spürst du deinen Himmelsmenschen besonders nah?
Die Fragen dürfen einfach sein. Wichtig ist nicht die perfekte Antwort – sondern der Raum, der dadurch entsteht.
Eine Methode für viele Situationen
Trauer-Jenga eignet sich nicht nur für Trauergruppen. Es kann auch in der Einzelbegleitung, in Familiengesprächen oder sogar im privaten Rahmen zwischen Partnern oder Freund:innen verwendet werden.
Das Spiel schafft etwas, das in der Trauer oft so wertvoll ist: Einen sanften Einstieg ins Gespräch.
Wenn der Turm fällt
Und manchmal fällt der Turm.
Dann wird gelacht, neu aufgebaut – und weitergespielt.
Auch das gehört dazu.
Denn Trauer ist nicht nur Schwere. Sie ist auch Verbindung, Nähe und manchmal sogar ein kleiner Moment von Leichtigkeit.





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