Stärneziit – ein Nachmittag voller Erinnerung, Verbindung und leiser Hoffnung
- Franziska Kern
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 40 Minuten
Manche Nachmittage lassen sich schwer in Worte fassen. Nicht, weil nichts passiert ist.
Sondern weil so viel da war.
Liebe. Trauer. Erinnerung. Schmerz. Dankbarkeit. Stille. Nähe. Und dieses besondere Gefühl, nicht allein zu sein.
Am vergangenen Wochenende durften wir mit "unseren" Sternenfamilien unser Stärneziit-Event erleben. Zum ersten Mal waren über 50 Personen dabei: Mamas und Papas, Geschwister, Tanten – und auch zum ersten Mal vier Sternligrossmamis. Alle kamen mit ihrer eigenen Geschichte. Mit ihrem Sternenkind im Herzen. Mit Erinnerungen, Fragen, Sehnsucht und Liebe. Und genau dafür war dieser Nachmittag da.
Ein Raum, in dem unsere Kinder sichtbar sein dürfen
Für viele Sternenfamilien gibt es im Alltag nur wenige Orte, an denen ihr Kind ganz selbstverständlich dazugehören darf. Oft wissen andere nicht, ob sie den Namen sagen dürfen. Ob sie fragen dürfen. Ob sie erinnern dürfen. Oder ob sie damit vielleicht etwas aufreissen, das ohnehin nie ganz verheilt.
An diesem Nachmittag war es anders. Unsere Kinder durften genannt werden. Ihre Namen durften ausgesprochen werden. Sie hatten einen Platz. Als Teil unserer Familien.
Wir sassen gemeinsam im Kreis. Jede Familie durfte sich und ihr Sternenkind kurz vorstellen. Manche Worte kamen leicht, andere leise. Manches wurde gesagt, manches blieb unausgesprochen und war trotzdem spürbar. Dann schrieb jede Familie den Namen ihres Kindes auf ein goldenes Herz und für jedes Kind wurde eine Kerze angezündet. Ein kleines Licht für ein Leben, das viel zu kurz war – und doch unendlich viel bedeutet.
Loslassen, ohne zu vergessen
Durch den Nachmittag führte uns Juliette mit einem liebevoll gestalteten Ritual. Auf Sterne aus Karton schrieben die Familien Dinge, die sie gerne loslassen möchten.
Ängste. Schuldgefühle. Zweifel. Schmerz. Vielleicht auch Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Alles, was schwer ist. Alles, was manchmal zu viel wird. Alles, was nicht länger allein getragen werden möchte.
Anschliessend wurden die Sterne mit Draht umwickelt und dem Feuer übergeben. Der Karton verbrannte. Die Worte wurden dem Feuer anvertraut. Doch der Draht blieb zurück. Ein Stern aus Draht.
Für uns war genau dieses Bild so kraftvoll: Nicht alles vergeht. Nicht alles verschwindet. Nicht alles wird ausgelöscht.
Manches darf sich wandeln. Manches darf leichter werden. Und manches bleibt.
Die Liebe bleibt. Die Verbindung bleibt. Unsere Kinder bleiben.
Nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten. Nicht in unseren Armen, nicht im Alltag, nicht in all den Momenten, die wir uns vorgestellt haben.
Aber sie bleiben in unseren Herzen. In unseren Familien. In unseren Geschichten. In dem, was sie in uns bewegt und verändert haben.
Wünsche, die weitergetragen werden
Später gestalteten wir gemeinsam tibetische Gebetsfahnen. Die Familien bemalten sie mit positiven Gedanken, Wünschen, Hoffnungen und Botschaften. Für ihre Kinder. Für sich selbst. Für das, was bleiben darf. Und für das, was wachsen darf.
Nun flattern diese Fahnen im Wind. Sie erinnern uns daran, dass Liebe keine Grenzen kennt. Dass Worte weiterziehen dürfen. Dass Wünsche getragen werden können. Dass Verbindung manchmal ganz leise spürbar ist – in einem Licht, in einem Namen, in einem Windstoss, in einem Moment, der plötzlich nah ist.
Vielleicht trägt der Wind unsere Gedanken hinaus in die Welt. Vielleicht auch ein Stück davon direkt zu unseren Kindern.
Wenn Trauer geteilt werden darf
Stärneziit ist kein Nachmittag, an dem Trauer weggeht. Das muss sie auch nicht. Trauer muss nicht verschwinden, damit ein Nachmittag schön sein darf. Schmerz muss nicht gelöst sein, damit Hoffnung spürbar werden kann. Und Liebe braucht keinen perfekten Rahmen, um sichtbar zu werden.
Was an diesem Tag so besonders war, war die gemeinsame Erlaubnis, alles da sein zu lassen.
Die Tränen. Das Lächeln. Die Erinnerungen. Die Unsicherheit. Die Nähe. Das Schweigen. Die Gespräche.
Die Geschwisterkinder, die spielen, malen, fragen oder einfach dabei sind. Die Grosseltern, die ebenfalls trauern und doch oft viel zu selten Raum dafür bekommen. Gerade dass auch Geschwister, Tanten und Sternligrossmamis dabei waren, hat diesen Nachmittag so wertvoll gemacht. Denn ein Sternenkind fehlt nicht nur den Eltern. Es fehlt in einer ganzen Familie. Und manchmal braucht es einen gemeinsamen Ort, um dieses Fehlen sichtbar zu machen. Nicht schwer und dunkel. Sondern liebevoll. Würdevoll. Verbunden.
Für immer Teil unserer Familie
Wir sind dankbar für alle Familien, die da waren. Für ihr Vertrauen, ihre Offenheit, ihre Geschichten und ihre Kinder.
Wir sind dankbar für die stillen Momente und die kraftvollen Bilder. Für die goldenen Herzen. Für die Kerzen. Für die Sterne im Feuer. Für die Gebetsfahnen im Wind. Für all die kleinen und grossen Zeichen von Liebe.
Und wir nehmen aus diesem Nachmittag etwas mit, das schwer zu beschreiben ist: Dass Erinnerung nicht nur traurig ist. Dass Rituale tragen können. Dass Gemeinschaft heilsam sein kann und dass unsere Kinder sichtbar bleiben dürfen. Für immer geliebt und Teil unserer Familie.



























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